Mit dem Fuchs über den Pamir

 

„Woher kennt ihr die beiden eigentlich?“
Der winterliche Schnee knirscht unter den Füßen, als wir vom Parkplatz zur Haustreppe stapfen, am vorletzten Tag im Jahr 2019. Vor drei Stunden waren wir in Augsburg gestartet, vorbei am Bodensee und an Liechtenstein bis in die schweizer Berge. Nach dieser flotten Fahrt mit Kristian und Monika hatten wir das kleine Bergdorf in Obersaxen erreicht und nun ducken wir uns mit eingezogenem Kopf durch die Holzhaustür hinein in das steinalte Alpenhäuschen. Die anderen zehn Silvestergäste sitzen schon wie die Spatzen in der gemütlichen Miniküche um den Küchentisch, trotzdem gibt es noch Platz für uns. Die Tortillas durften und von links schenkt mir der neugierige Schmidi Rotwein ein. „Guacamole ist leider schon alle, diesmal seid ihr nur ein kleines bisschen zu spät!“ ruft Sandra zwinkernd aus der anderen Ecke der Küche über drei Köpfe hinweg.
Anstatt eine ausführliche Antwort auf die Eingangsfrage zu geben („…Es war einmal in Tadschikistan…“), zeichnen wir unsere Verbindung zu Sandra und Be an den Stammbaum ins Gästebuch. An die Linie, die uns verbindet, male ich einen Tramperdaumen und den großen blauen VW-Bus „Fuchs“, der uns vor einigen Monaten begegnet war. Frank ergänzt am Stammbaum-Pfeil noch Herrn Reinecke höchstpersönlich. Unsere ganze Kennlern-Geschichte mit Team Schweiz ist allerdings länger, als diese kleine Zeichnung vermuten lässt:

Es war einmal in Zentralasien, in West-Tadschikistan letztes Jahr im Sommer… Nach einem Wochenendausflug zum wunderschönen Bergsee Alouddin wollten wir zurück in die Hauptstadt. Zuvor waren wir hinauf in die Berge getrampt, mit einer ordentlichen Portion Glück über die holprige Gebirgsstraße direkt an den abgelegenen See, der in seiner Blauheit alle bisher gesehenen Farberlebnisse in den Schatten stellt. Dort oben begegneten uns während unseres Zeltwochenendes zahlreiche Wandergruppen, die mit Guide und vollbepackten Eseln mehrere Tage über die Hänge und Täler stapften. Wir fragten den Wirt des See-Cafés, ob er uns nicht auch einen Esel borgen könnte für den Weg zurück zur Hauptstraße. Nach einigem Hin und Her stand der Deal und los ging es mit einem kleinen grauen Begleiter, dem unsere Rucksäcke aufgeschnallt wurden. Unser Packesel wurde zwar vom Sohn des Wirtes so sehr zu einem eiligen Tempo verdroschen, dass mir beim Zusehen das Herz blutete und wir kaum Schritt halten konnten, aber dennoch genossen wir die Wanderung ohne schweres Gepäck und streichelten das starke Grautier bei jeder Gelegenheit ausgiebig. Während einer Rast am Flüsschen holperte gerade ein blauer Bulli aus der Schweiz über die Brücke. Coole Karre, die Leute da drinnen hätte ich gern mal kennengelernt, dachte ich noch. Besonders die Beifahrerin gefiel mir, weil sie auch so einen verknödelten Turban auf dem Kopf trug wie ich. Wir lachten den beiden Insassen zu, die grüßten uns freundlich aber auch etwas bange zurück ob ihrer abenteuerlichen Fahrt über die schotterige Sandstraße.
Wie gern ich auch einmal in so einem Bus losfahren würde, mit unabhängiger Bewegungsfreiheit unterwegs, um zu all den verlassenen Orten einfach selber zu fahren. Ich träumte von der nächsten Reise im eigenen Lada, während der Esel weiter vor uns her trabte. Schließlich erreichten wir die Herberge für die Nacht im Dorf, stellten den Esel ab und kamen am nächsten Tag schneller als gedacht wieder in Duschanbe an.

In der Hauptstadt wollten wir nochmal farbenfroh im Restaurant schlemmen und Medikamente, Wanderschuhe und Sonnencreme zu besorgen. Die Weiterreise nach Osten würde beschwerlich werden, übers Pamir-Gebirge auf mehr als 4000 Höhenmeter, durch karges Land voller Nomaden mit Ziegen und Yaks und Kulissen so atemberaubend wie unwirtlich. Der Weg sollte uns bis ins nordöstlich gelegene Kirgistan führen, um dort unsere Zentralasienroute zu kreuzen. Zwischen der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe und dem kirgisischen Osh pendeln die Pamir-Abenteurer hin und her und haben vor und nach ihrer Reise in den Herbergen dieser beiden Großstädte allerlei Geschichten, Erfahrungen und Fachsimpeleien miteinander auszutauschen.
Wir hatten uns (nach einem Durcheinander mit zwei Couchsurfern) für „the cheapest place in town“ entschieden, ein simples Hostel am Stadtrand von Duschanbe. Kurz vorher hatte eine vierköpfige Reisefamilie aus dem Tessin eingecheckt, außerdem ein Pärchen aus Deutschland im Mitsubishi-Jeep und die beiden Züricher Sandra und Be kamen tags darauf und parkten ihren blauen VW-Bus vor dem Eingangstor. Da war er wieder, der blaue Bulli vom Alouddin!

Alle Gäste waren im eigenen Auto aus Europa angereist, bis auf uns, die zwei Tramper. Unter den Autofahrern avancierte der fahrbare Untersatz inklusive dessen Tücken, Raffinessen und Reparaturen schnell zum Thema Nummer eins. Das deutsche Pärchen kam gerade vom Pamir zurück, weil ihnen unterwegs im Gebirge kurz vorm höchsten Pass der Kühler geplatzt war. Zu schnell zu hoch, zu viel Staub und Stahlstress. Der schweizer Bulli hatte ebenfalls Blessuren von der monatelangen Anreise und war in diversen Werkstätten vorstellig geworden. Die rollenden Wohnungen wurden stolz vorgeführt und mit Kennerblick untereinander gründlich inspiziert. Mir fiel dabei die unterschiedliche Konzeption für die verschiedenen Bedürfnisse auf: für die ganze Familie der riesige Geländewagen hoch über den Reifen, jeder Millimeter darin war effektiv ausgenutzt und mit tausend praktischen Kästen für allerlei dies und das vollgepackt. Daneben der spartanische Mitsubishi mit neuem Kühler und Platz zum Leben auf engstem Raum. Und draußen der blaue T4, vollgekritzelt mit guten Wünschen der Freunde für die Reise, mit satter Anlage, gemütlicher Matratze und viel Liebe zum Detail. „So einen wollte ich auch immer haben!“, gestand ich Sandra an der Tür vom blauen Fuchs. „Toll, dass ihr so unterwegs seid.“
Beim gemeinsamen Abendessen zu zehnt genossen wir Wein und wunderliche Geschichten, die alle von Touren zu erzählen wussten. Die anstehenden Pläne zur Weiterreise waren bei uns allen ähnlich: ab nach Kirgistan. Die Deutschen nahmen sich nach dem Schreck allerdings die flache Route durch Usbekistan vor; die Tessiner starteten schon früh am nächsten Morgen in ihrem ohnehin übervollen Gefährt durchs Hochgebirge. Sandra und Be brauchten noch ein, zwei Tage länger für die Reiseorganisation, und so verabredeten wir uns mit den beiden und ihrem Fuchs für unterwegs am Pamir-Highway, wenn wir mit gerecktem Daumen an der Straße stünden.

Ab die Post. Am nächsten Tag gurkten Frank und ich mit diversen Bussen zum Stadtausgang von Duschanbe und warteten gar nicht lange auf einen flotten Fahrer. Kurz darauf ging es weiter mit zwei gesprächigen Jungs, die uns mit Softdrinks, Blätterteiggebäck und getrocknetem Käse-Kugeln („Kurt“) fütterten. Und dann wurde der Verkehr ziemlich … mau … Ein Bauarbeiterauto noch, dessen Fahrer uns unter lautem Protest unsererseits ins nächste Bezahltaxi setzte, danach nur noch lange Wartezeit im Nirgendwo. So schleppten wir uns in drei Autos noch wenige Kilometer voran mit stets langen Diskussionen über das Weiterkommen ohne Geld, das in der Gegend absolut unüblich ist. Öffentlicher Nahverkehr existiert über den Pamir nur in Form von Taxijeeps, deren Stoßdämpfer unter der Last der vollbepacken Dächer und vollbesetzten Sitzplätze in die Knie gezwungen werden. Deshalb fährt auch in jedem Privatauto ein Chauffeur, der üblicherweise Geld von den Mitreisenden bekommt. Als „westlicher“ Rucksacktourist zahlt man meistens doppelt, gewiefte Taxisten hängen sogar noch eine Null dran.
Die Diskussion darüber, das Trampen in der uns bekannten Form aus Europa auch in Zentralasien durchzuziehen, führt man alles andere als einfach. Denn einerseits müssen die Menschen in diesem Teil der Welt mit extrem wenig Geld auskommen, haben einen unterirdisch niedrigen Standard in einem kargen Land und die Gegend ist notorisch unterentwickelt, vor allem was gut bezahlte Jobs in der Industrie oder Dienstleitungsbranche betrifft. Und die Perspektiven gehen ebenfalls abwärts. Andererseits hat der massenhafte Individualtourismus dazu beigetragen, dass die Einheimischen oft alle TouristInnen durchweg als eine Druckmaschine für Geldscheine ansehen. Reiche Bergbesteigende aus Nordamerika und Westeuropa, die über zwei Wochen Kurzurlaub mit teurem Equipment eine Materialschlacht zur Erklimmung der Sechs- und Siebentausender kämpfen („Mensch, ist das alles billig hier!“). Der Tourismus fördert natürlich die einheimische Wirtschaft und Infrastruktur, auf Kosten der Natur kann dieser zickige Wirtschaftszweig allerdings auch für Zwietracht in der Gesellschaft sorgen.
Entfernt man sich von all diesen Argumenten, schafft die Reiseform Autostop ein System neben Geldstrom und Kapitalismus, das Menschen über ihre Geschichten und Kulturen hinweg verbindet und zusammenbringt. Eine Patentlösung und Anwendung für den Massentourismus hat dieses Konzept keineswegs, aber genau um diesen Seitenweg geht es uns. Alternativen zu finden, fernab von der Musterlösung.

Ich schwiff ab. Die Fuchsgeschichte… Jedenfalls landeten wir abends in einem unbedeutenden Dörfchen, die Weiterreise wurde vertagt. In der gähnenden Leere der Empfangshalle des überraschend großen Hotels machte sich unser Echo in den verlassenen Räumen solange bemerkbar, bis die Managerin angewatschelt kam und uns aufnahm. Frank wurde schon den ganzen Tag von einer ungewöhnlichen Appetitlosigkeit geplagt, die sich in den folgenden zwei Tagen als Durchfall manifestierte. Somit war das Doppelbett mit einer Toilette nebenan goldrichtig für den Moment. Außerdem nahte Rettung hinsichtlich unserer Mobilität, denn unterdessen hatten auch Be und Sandra Duschanbe verlassen und sich zum Krankenbesuch angemeldet. Dabei besprachen wir, uns am nächsten Morgen um zehn Uhr auf deren Stellplatz 30 Kilometer weiter zu treffen. „Und dann gibt’s Pancakes zum Frühstück!“, versprach uns Sandra.
Gesagt getan. Um zwei Minuten nach zehn stiegen wir aus dem Auto, das uns bis vor die Haustür der beiden Wohnmobile gebracht hatte. Die Reisegruppe hatte sich schon um einen dunkelblauen Fiat mit zwei holländischen Reisenden erweitert. Zu sechst schlemmten wir Sandras grandiose Pancakes mit Aprikosenmarmelade und machten uns gestärkt und euphorisch auf den Weg, gemeinsam das Gebirge zu erkunden. Der Mitfahr-Deal lief bis zum nächsten Stellplatz: mal schaun, wies so läuft. Und so geschah es, dass wir zum ersten Mal auf der Bettbank im blauen Fuchs Platz nahmen.

Die Reisegruppe entpuppte sich als eine würzige Mischung ala Gaumenschmaus aus verschiedenen Charakteren mit homogenen Vorstellungen vom Tun, Lassen und der Freiheit. Wir staunten über die massiven Gesteinswände, die sich unmittelbar aus dem Tal erhoben, durch dessen Enge sich die unebene Straße am Fluss Wakhan entlangwindet. Dieser markiert über einige hundert Kilometer die Grenze zu Afghanistan. Neugierig beobachteten wir auf der afghanischen Seite eine Ziegenherde und einen Eselkarren voller Heu sowie diverse Mopedfahrer (und sogar einen nackten Duschgast am Wasserfall).
An einer kleinen Quelle, zu der die Tadschiken mit dem Auto für Reifen- und Bodenwäsche kamen, rasteten wir ein paar Nächte, übten uns in Grillpartys und lieferten essenstechnisch richtig geil ab. Die kulinarischen Genussideen von Sandra und Be verzauberten uns alle und öffneten einen Speisesaal an Möglichkeiten hinter dem zentralasiatischen Einheitsbrei aus Schaschlik, Plov und Laghman. Bei gutem Essen und Musik schwitzten wir im Sitzen in der Junisonne und sammelten unsere Kräfte für den ersten großen Pass, der vor uns lag.
Weiter ging es vorbei an einem Dornröschenschloss aus Pappmaché in das örtliche Handelszentrum Khorog, einer Kleinstadt an der afghanischen Grenze. Vorbei an Tankstelle, Supermarkt und … Pizzeria! Die Gute hatte leider wegen Sonntag geschlossen (?!), und so endeten wir im KFC (Khorog Fried Chicken – bitte nicht nachmachen). Von dort führte die Straße weg vom Wakhan-Tal, hinauf in die Berge. Nach einer magenverstimmten Lagerfeuernacht gönnten wir uns ein bisschen Wellness in heißen Schwefelquellen vorm Koitezek-Pass. Die Badeanstalt bestand aus einem brüchigen Bau mit einem Umkleidebereich und einem niedrigen Becken mit heißem Schwefelwasser. Frauen und Männer badeten natürlich getrennt, und das kochend heiße Wasser aus der Quelle floss erst durch das Herrenbasin, was sich als ausgezeichnete Lösung für den Badekomfort der Damen herausstellte. In beiden Abteilen lag die Wassertemperatur knapp unter der Grenze des Erträglichen, heizte den Körper aber wunderbar auf, um der kühlen Dusche und dem eisigen Gebirgswind frohen Mutes entgegenzutreten. Genau das Richtige auf 3200 m! Mit roten Wangen und müdem Kopf gönnten wir uns im Restaurant nebenan Suppe und Laghman vorm Schlafengehen. Der Geruch nach faulen Eiern zwang uns auf einen etwas entfernteren Platz für die Nacht, der auch etwas vor dem beißenden Wind schützte. Den Pass überquerten wir voller Staunen: auf 4270 m denkt man schon, dass man ganz oben wäre, doch links und rechts erheben sich noch und nöcher die schneebedeckten Riesen. Das Pamir-Gebirge besteht aus Hochebenen, die über die Jahrhunderte vom Staub und Geröll der kilometerhohen Berge ringsum gefüllt wurden. Es ist karg und menschenleer, kein Baum kein Strauch, dafür ein weiter Himmel, verschiedenste Felsformationen und -farben aus schroffem Gestein und ständiges Staunen, was die Erde sich da ausgedacht hat.

Besonders genossen wir die Zeit am dunkelblauen See Bulunkul, um den es grünte und blühte, eine Oase in der staubig-braunen Berglandschaft. Daneben liegt ein kleines Dorf, dessen Yaks in der Ebene grasten. Unweit erhebt sich eine Hügelkette, hinter der sich ein völlig andersartiger See Yashikul mit türkisfarbener Strahlkraft mitten in ein hellbraunes Geröllfeld bettet. Für die Nächte dort suchten Frank und ich wegen des starken Windes Schutz in einer verlassenen Bauernhütte statt im Zelt zu frieren. Eines Nachts stürmte es gewaltig, dicke Wolken zogen auf und der Himmel entlud sich aus Kübeln. Als wir morgens aufwachten hatte der Niederschlag die umliegenden Gipfel mit einer weißen Zuckerdecke bestäubt.

Hoch im Kurs standen bei der Reisegruppe auch die Lagerfeuerabende mit schweizer Schokibananen und Bier aus der Zwei-Liter-Flasche. Das Sammeln von Feuerholz wurde mit zunehmender Höhe zu einer Herausforderung, denn Bäume oder Sträucher fehlen ab etwa 2800 m völlig. Unterwegs legten wir Extrastopps ein, um alles was im Entferntesten nach Brennmaterial aussah einzupacken. Als der Platz im Auto knapp wurde, spannte Be das Gestrüpp aufs Dach. In Murghab fragten uns die einheimischen Marktbesucher sogar, ob sie uns das Feuerholz abkaufen könnten.
Nach einer Runde Volleyball auf 3000 m verabschiedeten wir uns dort auch von Team Holland, denn die beiden wollten Termine für die Reiterspiele in Kirgistan wahrnehmen. Team Schweiz und Team Hamburg gucken stattdessen in einen Meteoritenkrater und ließen sich Zeit für die letzten Pamir-Kilometer.

„Wart ihr zu Fuß eigentlich schon jemals höher als 5000 m?“, wollte Be wissen, als wir uns dem höchsten Pamir-Pass nährten. Der Gedanke rollte weiter und wegen der einmaligen Gelegenheit entschlossen wir uns spontan, unseren Höhenmeterrekord nach oben zu schrauben. Hinter dem Pass Ak-Baital wurde der Fuchs geparkt und wir machten uns auf, den gleichnamigen Berg zu erklimmen. In diesen Höhen rebelliert die Lunge immer wieder nach wenigen Schritten und die Wanderschuhe rutschen über die steilen Geröllhänge. Aber was tut man nicht alles für eine tolle Aussicht mit Gipfelschluck auf 5102 m – an einem Sonntagnachmittag?
Nach diesem Ausflug ließen wir die roten Wangen bei einem fantastischen Mahl in einer Herberge glühen und betteten die geschafften Körper in der Schlafkammer des tadschikischen Gästehauses in Karakul.

Unser Abenteuer „Mit dem Fuchs über den Pamir“ trudelte langsam aus und bald erreichten wir die kirgisische Großstadt Osh. Der Mitfahrdeal war ja längst überzogen und ausgeweitet worden bis zum Ende des Pamirhighways. Vier Wochen waren wir schon gemeinsam unterwegs, doch eine Trennung konnte sich in diesem Moment keiner von uns so recht vorstellen. Der Gedanke fühlte sich auf einmal seltsam an, wieder an der Straße mit gerecktem Daumen zu stehen.


Also tuckerten wir weiter gemeinsam und gemütlich durch Kirgistan, genossen nochmal Lagerfeuer und Schokibanane, lachten und lauschten den Geschichten vom Ex-LKW-Fahrer Jochen, der mit dem Wohnmobil von Deutschland kam und durch China wollte (nur beim Holzhacken hat er kurz geschwächelt). Irgendwann war sie dann da, die Kreuzung, an der das Lebewohl unsere Herzen schwer werden ließ.
Am besten sind Abschiede immernoch, wenn man weiß, dass man sich wiedersieht. Zurück nach Europa kamen wir auf ganz unterschiedlichen Wegen, die sich jetzt wieder kreuzen. Und so sitzen wir nun leicht beschwipst kurz vor 12 am Silvestertisch der Alpenhütte von Sandra, der Bauch wölbt sich vom Raclette und gleich gehen wir zusammen raus in die verschneite Nacht zum Feuerwerkstaunen…

P.S.
Die Uferhänge des Toktogul in Kirgistan stehen voll erntereifer Marihuanapflanzen, ein süßlich-herber Geruch erfüllt die Luft. Plötzlich fährt ein Polizeiauto im Sonnenuntergang bis zum Wasser und parkt. Nach einer Weile steigen die beiden Beamten aus, nur mit Unterhose bekleidet und springen wie kleine Kinder jauchzend in den See. Der Schlüssel steckt. Wäre jetzt der richtige Moment, auch mal mit einem Auto wegzufahren…?

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