Dieses Hampi hat uns schwer beeindruckt. Kilometerweit erstreckt sich ein verwittertes Hügelland, das aus goldenen Felsblöcken aller Größen und Formen besteht, die wie von Götterhand übereinander gestapelt daliegen. Die alten Könige des Vijayanagar vom 14. – 16. Jahrhundert bauten ihre Hauptstadt Hampi mit pfiffigen Tricks und der Hilfe von Elefanten als steinernes Reich in ungeheurem Ausmaß mit riesigen Tempeln, weitläufigen Marktplätzen und gigantischen Wohnvierteln. Über 200 Jahre florierte reger Handel und stetiger Ausbau bis in Folge von Nachfolgestreitigkeiten und einem verheerenden Angriff der Mughals das wohlhabende Hampi abgeschlachtet, kaputtgetreten und dem Erdboden gleichgemacht wurde. Heute leben in dem kleinen Dorf noch knapp 3000 Menschen und doch der Tourismus blüht. Grundmauern und Ruinen des UNESCO-Welterbes dürfen Besucher bewundern. Stundenlang wandern wir durch die Landschaft, klettern Felsbrocken empor und lassen uns von der unwirklichen Landschaft überwältigen.

Wegen vergessenem Geldbeutel (der Zugang zum Vitthala-Tempel zum berühmten steinernen Waagen steigert sich für Ausländer immerhin ums 25-fache auf 250 Rupien) lassen wir diese Sehenswürdigkeit in glühender Mittagshitze des Februars aus und genießen stattdessen ein Bad im verlassenen Lieblingssee nördlich von Rangapura. Auch am Wasserfall des Tungabhadra bei Sanapur kühlt jedes aufgeheizte Gemüt ab, zudem kann man hier weiterführende Mittel zur Entspannung erwerben (z.B. Melone oder Ananas, alles natürlich ohne Chemie). Mit Knattern im Ohr und frischer Brise um die Nase sorgt unser geborgtes Moped für die notwendige Mobilität, Benzin stellt jeder Kiosk bereit oder die Tankstelle hinter Anegundi bzw. auf dem Weg nach Gangawati. Die Kreishauptstadt bietet außerdem weitere Infrastruktur für Geldgeschäfte und Einkäufe aller Art. Sportliche Betätigung beim Bouldern an den heißen Felsen fernab des kühlen Nass vergönnt die sengende Sonne im Februar lediglich in einem knappen Zeitraum von 6 – 9 und 17.30 – 19 Uhr. Matten kann man günstig mieten zwischen 80 – 120 INR pro Tag (Sunny Bouldershop, Goan Corner, Space-Baba-Cafe). Morgens gefiel uns der Sektor am Fluss neben dem Chandramouleshwara Temple am besten, abends das Gebiet Jungli, weil es direkt hinterm Haus in Rangapura lag.

Während der knapp 3 Wochen in Hampi sind wir drei Mal umgezogen: zunächst eine Nacht zwischen Pilgern, Äffchen, Hunden und Kühen im Virupaksha-Tempel der Altstadtseite, dann um die Ecke in eins der 100 Gästehäuser, von dort das kleine Dorf Rangapura auf der anderen Flussseite zwischen sattgrünen Reisfeldern (bei Manni im White Bull) und schließlich zurück zum Fluss zu Füßen des Hanumantempels in Hanumanahatti in unser Zelt, das wir im Garten des Om-Home-Cafe unterm Mangobaum aufgestellt haben.

Mannis Mutter hat uns hervorragend südindisch bekocht mit Puri (frittierte Weizenfladen), Paddu (gebratene Bällchen aus Reismehl) oder Dosa (Reismehlcrepe) mit scharfem Kartoffelcurry und süßen Erdnusschutney zum Frühstück, und mittags ein riesiger Thali-Teller oder Jogurt-Reis, alles zum freundlich-schmalen Taler. Dazu gab es an jeder Ecke Bananen und Kokosnüsse. Im Om-Cafe haben wir uns statt Miete zu bezahlen einmal durch die komplette Speisekarte probiert und festgestellt, dass dort das beste Essen ganz Hampis serviert wird – egal ob indisch, amerikanisch, italienisch oder israelisch… Omnom.

Unser Boulder- und Badespaßurlaub mit reichlich gutem Essen und viel Schlaf hat unsere Speicher wieder aufgefüllt und die Tramperlaune wieder entfacht. Die 400 km nach Hyderabad sind wir mit 3 sehr kurzen Lifts in heißer Sonne und einem sehr langen in kühler Abendluft gefahren, letzteres zusammen mit zwei älteren Herren, die fürs leibliche Wohl auf jeder Ebene sorgten. Im muslimisch geprägten Hyderabad trafen wir unseren Couchsurferfreund Ash nach einer flotten U-Bahnfahrt. In seinem Auto fuhren wir mehr als rasant ein gefühltes Jahrhundert lang in ein entferntes Dorf, um seine Freunde zu treffen. Die verrückte Höllenfahrt ala Need for Speed presste uns tief in die Sitze. Schließlich stoppten wir auf dem Schotter neben einem dunklen Stahlbetonfriedhof. Vier dunkle Gestalten kamen auf das Auto zu. Die Vorstellung, dass diese Typen uns in der abgelegenen Bauruine gleich ihre Baseballschläger fortführen werden, machte sich in meinem Kopf breit und auf der Treppe nach oben rekapitulierte ich im Geiste schon diverse Tricks aus dem Selbstverteidigungskurs. Auf dem Dachgeschoss angekommen, verschonten uns die Jungs aber noch und reichten uns statt Knüppel Getränkedosen mit kühlem Bier. Angeheitert wurden wir am Ende der illustren Runde gottseidank nicht wieder ins Höllenauto sondern in ein Uber-Taxi zurück in die Stadt verfrachtet. Puh!

Der nächste Tag lockte mit der freudigen Erwartung auf eine 33 stündige Zugfahrt, zurück in den kühlen Norden nach Delhi. Die Sleeper-Class erwies sich als geduldiger Raum für gerade ausreichend Schlaf, viel indischen Zugtrubel und zügiges Überwinden von 2000 km. Frühmorgens um 6 am Hauptstadtbahnhof suchten wir noch schlaftrunken und überfordert vom Gewusel einen Zug Richtung Osten, den wir ticketfrei besteigen und nach kurzem Fahrtvergnügen wieder verließen. Die nächste Tramperrunde führte uns durch den Bundesstaat Uttar Pradesh bis ins vom Sikhismus geprägte Kashipur in Uttarakhand. Dort besuchten wir den vorerst letzten Gurudwara, wurden herzlich empfangen und verköstigt und erreichten noch am selben Tag die verschlafene Grenze zu Nepal zwischen Banbasa und Bhimdatta. Den Grenzfluss überquerten wir zu Fuß, weil ein gleichzeitiges Passieren für Hin- und Rückverkehr auf einspuriger Fahrbahn unmöglich ist. Unmöglich ist auch die Organisation an den 1000 m voneinander entfernten Brückenköpfen, wer fahren darf und wer wartet. Am schwersten haben es Autos, Busse und LKWs, denn alle anderen Gefährte wie überladene Fahrräder, Rikshaws, Mopeds, Pferdekarren, geführte Esel und Handwagen missachten die Signale grundsätzlich. Auf dem weiteren Fußweg über die Grenze werden wir von pikierten Beamten zu den Immigrationsbehörden auf beiden Seiten zurückzitiert, weil wir sowohl die indische als auch die nepalesische übersehen haben. Sehr einfach und schnell stellt man uns zu einem Aufpreis von 3 Dollar das nepalesische Visum doch noch aus.

Hinter der Grenze schicken wir mehrere Rikshaws fort, bis eine weibliche Fahrerin das Rennen macht: 100 INR ins Zentrum. Von dort schaffen wir es vor Sonnenuntergang nicht mehr weg, und betten unser Haupt stattdessen in einem günstigen Eckhotel an der Hauptstraße. Kurz vorm Einschlafen erweckt ein schwarzer Punkt Franks Aufmerksamkeit: an der Wand windet sich ein kleiner Käfer Richtung Himmel. Bettwanzen. Auf einmal ist alles voller Ungeziefer, wir springen aus dem Bett und schütteln angewidert alles ab. Fluchtartig räumen wir das Zimmer, stehen aber vor verriegelter Tür zum Treppenhaus (noch nie was von Brandschutz gehört?). Nach hektischem Hin- und her finden wir eine Terrasse, auf der unser Zelt Platz findet und wir uns nachts um 2 endlich den sehr plastischen Träumen über kleine schwarze Insekten unter der Mattratze hingeben können. Welcome to Nepal!