8. Tag: Panval – Ganpati Phule

So ungemütlich das Hotel auch war, es lag außerdem direkt an der Autobahn. Mit drei Fahrzeugen und netter Gesellschaft schaffen wir 180 km auf der Landstraße. Mittlerweile bewegen wir uns im Bundesstaat Maharashdra, der wieder eine neue Sprache und neue Lokalspezialitäten mit sich bringt. Nach dem Mittagessen um 3 Uhr sinkt die Lust und Motivation, diese Gedanken schieben wir mühevoll beiseite, scherzen übermütig, dass gleich ein Direktlift nach Goa anhält…
Keine 5 Minuten später stoppt ein weißer Mahindra Scorpio Jeep. Der Beifahrer grinst uns an, erklärt, dass sie auf dem Weg nach Goa seien und fragt nach unserem Begehr. Goa bitte!
Wir dürfen mit. Die indische Reisegruppe besteht aus vier Jungs bzw. Männern verschiedenen Alters, die schon eine Nacht durchgefahren sind, um aus ihrem kleinen Dorf bis hierher zu kommen. Zu viert quetschen wir uns auf die Rückbank und los geht die lustige Fahrt. Verständigen können wir uns nur mit dem Ältesten, Vikas, der Rest ist Maharati. Nana, der Besitzer des Wagens fährt zügig durch die Hügellandschaft. Als es dämmert, entscheiden sie, knapp zwei Stunden bis zum Ganesha-Tempel in Ganpati Phule zur Küste zu fahren. Wir finden ein schickes Hotel, trinken zusammen Bier und essen Abendbrot.

9. Tag: Ganpati Phule – Kunkeshwar

Die indische Reisegruppe lässt uns heute wieder einsteigen. Vorher besichtigen wir den Ganesha-Tempel, der direkt am Strand steht und baden unsere Beine im indischen Ozean. Blaues, klares Wasser schwappt in den feinen Sand und alle Inder tollen in voller Montur im erfrischenden Nass herum. Nur einige Meter hinter dem Tempel, wo Kokosnusspalmen die Küste säumen, ist der Strand fast menschenleer. Paradiesisch. Genauso haben wir uns Goa vorgestellt, doch bis dahin liegen noch 250 Kilometer vor uns.
Unsere Reisegruppe verliert auf der malerischen Küstenstraße deutlich an Tempo, hier und da wird für Telefonie angehalten, Essen gekauft, Preise fürs Tauchen verglichen. In einem langen Umweg fährt Nana zu einer Burg, die vom Wasser aus besichtigt wird. Dort schlagen wir uns kurz vor Sonnenuntergang den Bauch mit Fisch voll und entscheiden, wieder eigene Wege zu gehen. Heute Nacht wird unser Zelt unter den Sternen am Strand von Kunkeshwar stehen, kurz vor Malvan.

10. Tag: Kunkeshwar – Mandrem

Früh morgens hüpfen wir ins klare Meerwasser und treiben in den Wellen Schabernack. Frauen in bunten Saris mit großen Körben auf dem Kopf laufen am Strand vorbei, um die Ausbeute der Fischer ins Dorf zu tragen. Das Zelt und die salzige Haut trocknen schnell in der Vormittagssonne. Zurück auf der Straße treffen wir auf zwei Radfahrer aus Holland, die auf dem Weg nach Sri Lanka sind. Eine neue indische Reisegruppe hält an. Der Altersdurchschnitt ist deutlich tiefer und zu den vier Jungs gibt’s noch zwei Freundinnen. Wieder zu viert auf der Rückbank eingequetscht, singt uns das Partyvolk ihren Lieblingssong vor und teilt Chicklis (frittierte Teigringe) mit uns.
Weiter mit einem Optiker, einem Kricketspieler und mit einem kleinen Amulanz-Wagen überqueren wir die Grenze nach Goa. Der Mann vom Mopedverleih bringt uns bis zum Strand Mandrem in Nord-Goa, direkt neben Arambol, wo ein Bierwasserfall ins Meer fließen soll. Dort steigen auch die wilden Trance-Parties mit verschiedensten Drogen und Touristenabzocke. Doch am Strand von Mandrem herrscht eine entspanntere Atmosphäre. Unsere zerrissenen Hosen tauschen wir im Hippieladen gegen neue Leinenware. Die Gästehäuser und Strandbars sind bis in den Sand gebaut, deshalb findet unser Zelt abseits davon in den Dünen Platz. Russische Werbeschilder und Passanten bestätigen das offene Geheimnis, bei welcher Nation diese Gegend hoch im Kurs steht. Vielleicht liegt es an den niedrigen Preisen für alkoholische Getränke? Denn in hier, im wohlhabendsten Bundesstaat Indiens, der ebenfalls zu Portugals Kolonien gehörte, wird Alkohol kaum besteuert im Gegensatz zum Rest des Landes. Auch wir erwerben Bier zu günstigem Preis im Supermarkt hinter den Restaurants, genießen die laue Abendluft und zählen die Sterne überm Wasser.

Tag 11: Mandrem – Kanakona

Ein Doppellift mit einem Mopedhippie bringt erst Frank, dann Karoline zum Frühstücksrestaurant von Tata. Der junge indische Kapitän war sogar schon in Bremen und unterhält uns mit Seebärengeschichten. Im LKW startet der Tramptag mehr oder weniger durch und verliert deutlich an Geschwindigkeit, als der nächste Fahrer, ein alter Mann, unseren Reisestil nicht versteht und uns zur Bushaltestelle fährt. Zu erklären, was wir da tun mit dem Daumen, ist für fast alle Inder unverständlich, dass kein einziges Flugzeug von Deutschland genommen haben, realisiert so gut wie keiner beim ersten Versuch.
Wir laufen zurück zur Schnellstraße und werden von einer coolen Frau aufgesammelt, die sich gerade umorientiert und autodidaktisch in die Geschehnisse an der Börse fuchst. Im nächsten Auto diskutieren wir über Integration von Ausländern, denn auch das ist immer wieder Thema: was macht Deutschland mit Flüchtlingen?
Nach der sozialpolitischen Hitze kühlen wir das Gemüt mit einer Melonung (a propos Melone: versucht mal diese alternative Kochidee). In der nächsten Großstadt kapitulieren wir unter der Sonne und entern einen Bus ins südliche Goa, nach Kanakona. Diese Gegend sei deutlich entspannter als der Norden, aber auch hier ist bis an den Strandrand alles mit Restaurants und Unterkünften vollgebaut. Vergeblich ist die Suche nach einem Zeltplatz. Mit ausgestrecktem Daumen auf dem Rckweg zu unseren Rucksäcken nimmt uns TJ auf seinem Moped mit und lädt uns in seine Bar zum Konzert. Sein All-Inclusive-Paket sieht außerdem einen Schlafplatz im Baumhaus vor.
Heute spielt ein Australier flotte Cover-Songs auf seiner Gitarre und das klingt wie Musik in unseren Ohren, denn seit Wochen umgibt uns Ethnogedudel aus Bollywood. Im Baumhaus warten schon zwei kleine Katzen auf uns, die am liebsten nachts spielen und Franks Nase reizen. Trotzdem gönnen wir uns hier einen Tag Pause, baden im Ozean und finden Kletterfelsen, an denen wir unsere Hornhaut für Hampi festigen. Zur Feier des Tags schnabulieren wir Meeresfisch und lauschen abends einem Jazzkonzert. In der folgenden Nacht schlafen wir im Zelt unterm Baumhaus mit angeleinten Kätzchen.