Der Grenzübertritt zu Fuß von Armenien in den Iran, von Agarak nach Novduz, verlief problemlos. Trotzdem sollte sich nun einiges ändern in der islamischen Republik: persische Schrift und Sprache, konservative Kleidungsordnung für Karoline mit Kopftuch und Manteau (ein langer Mantel, der bis über die Hüfte reicht), blockierte Seiten im Internet und der Westen als Feindbild Nummer eins. In Armenien hatten wir unser Budget für den nächsten Monat in armenischen Dram abgehoben, denn ausländische Kreditkarten werden im Iran nicht akzeptiert. Der offizielle Kurs beträgt 1 Dram zu etwa 88 iranischen Rial. An der Grenze kritzelte der Angestellte hinterm Tresen des Wechselbüros „300“ auf einen Papierfetzen. Eins zu 300?!
Diesem Humbug mussten wir in der nächstgrößeren Stadt mit eingehender Recherche den korrekten Wechselkurs auf den Zahn fühlen. So erreichten wir nach einer beeindruckenden Fahrt durch die bergige Landschaft die Stadt Tabris und stellten schnell fest, dass hier tatsächlich so einiges anders lief. In der Hauptstadt des Nordens befindet sich der älteste Basar des Landes und reger Handel, Kauf und Verkauf sind zentrale Elemente der iranischen Kultur seit dem Beginn der Perserreiche vor ca. 2500 Jahren. Das äußert sich in tüchtigem Gewusel in den Straßen, Gängen und Gassen der Stadt, und dort ist jedes Gebiet einer Verkaufssparte zugeordnet: ein Straßenzug mit Autowerkstätten geht über an der nächsten Kreuzung in eine Straße voller Bekleidungsgeschäfte, der folgende Platz ist ausschließlich Nuss- und Trockenfruchthändlern vorbehalten usw. Gewuselt wird vor allem auf der Straße, denn die Verkehrsregeln folgen hier keiner StVOrdnung sondern der Strömungslehre, was lediglich mithilfe der Hupe als Kommunikationsmittel funktionert.

Wir kämpften uns durch das Gewusel bis zu einer Unterkunft, wo man uns die Tauschrate von der Grenze bestätigte: 150‘000 iranische Rial entsprechen einem Euro. In diesem Land existiert ein Schwarzmarktkurs, die Kurse der Banken weichen um etwa das dreifache davon ab. Auf der Suche nach einer Wechselstube irrten wir am dunklen Abend vergeblich durch die Gassen, bis wir in der richtigen Ecke des Basars angekommen waren. Im ersten Büro bot man uns einen Kurs von 280 an. Zu wenig. Wir tasteten uns weiter vor in die Gedärme des Schwarzmarktes und fanden uns schließlich inmitten eines börsenähnlichen Auflaufs wieder. Die Hauptfrage: Euros? Euros? Euros? Dollar? You have Euros? Or Dollar?
Über unsere armenischen Dram war niemand begeistert, uns wurden verschiedene Raten zwischen 220 und 260 genannt. Testosteron sprenkelte zwischen Anzugträgern, lockereren Geschäftsmännern und sportlich gekleideten Händlern. Nichts zu machen. Draußen auf der Straße hätten wir mit einer Rate von 290 beinahe ein Geschäft abgeschlossen, doch der arme Tropf musste schließlich feststellen, dass er nicht genügend Rial im Gegenwert hatte. Zurück im ersten Wechselbüro feilschten wir auf 285 IRR zu einem Dram und gingen mit 80 Mio. iranischen Rial (bzw. 8 Mio. Toman*) nach Hause. Zack, Millionäre! Im Hotelzimmer verstreuten wir die Geldscheine im Raum und tanzten Ringelreihen. 80 Millionen! Damit hätten wir 999 frisch gepresste Orangensäfte trinken, 1066 Burger verspeisen oder 8001 Mal mit der Teheraner U-Bahn fahren können. Was wir stattdessen alles so damit angestellt haben, lest ihr demnächst 🙂

*Der Einfachheit halber eliminieren die Iraner eine Null der Rial, wobei die Handelswährung Toman entsteht, die für viele Ausländer für einige Verwirrung sorgt.