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Riga ist die einzige Stadt ihrer Größe in der Gegend und liegt infrastrukturell günstig an der Ostsee. Dass die Stadt mehrere Millionen Einwohner hätte, war eine Ente von einem unserer Fahrer: tatsächlich wohnen dort nur knapp 700 000 Menschen, nur wenig mehr Letten als Russen. Als kulturelles, geografisches und wirtschaftliches Zentrum des Baltikums genießt die Stadt einen ausgezeichneten Ruf. (Wir erfahren in St. Petersburg, dass sich russische Radio- und Fernsehsender in Riga ansiedeln und von dort aus Bericht erstatten, um den Repressionen gegen Journalisten in Russland zu entgehen – 10 Autostunden nach Moskau.)

Gefahren werden wir von der Englischlehrerin Mirana, die uns wie eine Mutti umsorgt: wir bekommen Schokolade, Konfekt und Wasser, erzählt wird von den eigenen Kindern und natürlich fährt sie extra für uns einen Umweg. Weiter gehts mit rauen Geschichten von Vitus bis zum Rigaer Hauptbahnhof. Schon seit Tagen plagt mich eine große Lust auf Burger – nach dem Bauernhofgemüse lüstet es mich nach Hesburger! An tausenden fahren wir unterwegs vorbei, und die Schmacht nach finnischem Fastfood steigert sich ins unermessliche. Keine 100 m nach unserem Ausstieg ist es endlich soweit und ich beiße in einen grandiosen Halloumiburger. Hmmmmm, ich möchte fast meinen, Hesburger ist hier besser als in Hamburg.

 

Nach einer Woche auf dem Bauernhof genießen wir ungewohnten Hotelluxus im Doppelzimmer mit Dusche, Porzellanklo und weichem Bett, weißen Laken und sauberem Boden. Erstaunlich, wie schnell man sich diese Ausprägung von Wohlstand abgewöhnt…

Wie bereits in Kaunas und Vilnius überschwemmen Bustouristen die Altstadt, was uns dazu bewegt, den vom jungen Riga geprägten Underground zu ergründen. So landen wir in der Bar namens PILS und der Barkeeper schwärmt von seiner Zeit in Berlin – das Konzept von Gemütlichkeit, bester deutscher Bierauswahl gemischt mit kleinen Konzertveranstaltungen blüht und heimatliche Gefühle erwachen in uns.
Auf seine Empfehlung hin stromern wir ins Č in der Innenstadt, das von den gleichen Leuten eröffnet wurde und hören Musik einer offensichtlich sehr beliebten Band: verstünde man lettisch, wüsste man die Komik einzuschätzen. Das Publikum in der kleinen Kneipe lacht und gröhlt, der Raum füllt sich immer mehr mit Zuhörern. Auf uns wirkt das expressive Gesinge eher wie schlechte Karaoke – immerhin rockt die punkig-psychedelische Mischung aus Keyboard und Gitarre sowie Drummachine das Klangexperiment.

Unseren Ausflug ins Wodkamuseum leiten wir mit lettischem Kräuterschnaps ein. Heißt zwar Balsam, schmeckt eher wie Medizin. Nach langer Suche zwischen Karrosseriebetrieben und Spielhöllen in verwinkelten Hinterhöfen werden wir erneut überrascht: Das Museum ist geschlossen – dauerhaft. Also auf Richtung Russland, um dort dem Wässerchen zu fröhnen!